Dunkel, Grau, Einsam, Traurig.

Wenn es mir schlecht geht, ich in ein Tief falle und nicht nur der Himmel draussen grau und nass ist, sondern auch meine Seele sich so anfühlt, bin ich erst mal verunsichert, da ich dies nicht als meinen normalen Zustand kenne. Ich nehme wahr, was da ist und fühle mich verloren. Mit der Zeit, dem nächsten sonnigen Tag oder der Unterstützung meiner Lieben verändert sich dieser Zustand und ich kann weiterschreiten.


Was aber, wenn der Zustand anhält und in mir das Gefühl immer stärker überhand nimmt, mit der Arbeit nicht klar zu kommen (oder keine Arbeit zu haben), keine richtigen Freunde zu haben oder in dieser Gesellschaft wertlos zu sein? Wenn sich dazu die Hoffnungslosigkeit gesellt, dass sich nichts an diesem grauen, tiefgefallenen Zustand ändern wird, was dann? Was wenn in mir eine Sehnsucht nach Verstandensein, Nähe und Rückhalt schreit? Und die Worte „wieso hört und versteht mich denn niemand?“ in meinem Kopf hallen, was dann?

Hilfe von Aussen ist delikat. Weisst Du denn, wie ich mich anfühle? Deine besten und innigsten Hilfen sind die schlimmsten: denn da wo ich jetzt grad stehe, ist es grau, traurig und einsam. Bringst du mir Blumen, da Du mir Farben und Freude ins Leben bringen willst, zeigst Du mir nur allzudeutlich, wo du stehst und wo ich nicht stehe! Dass du das nicht siehst, intensiviert meine Trauer, meinen Schmerz und mein Nicht-Gesehen-Werden. Deine vielen, guten Ratschläge, wie ich aus diesem Loch rauskommen soll, benebeln meine Sinne und prallen auf mich ein wie Schläge - es sind DEINE Ratschläge, die Dir geholfen haben. Sie sind nicht auf mich zugeschnitten, Deine Worte lassen mich alleine stehen – Du hörst mich nicht, da wo ich jetzt bin.


Wenn Du hingegen sagen würdest: „ich sehe, Dir geht es sehr schlecht und Du bist sehr traurig“, würde ich mich verstanden, gesehen und gehört fühlen. Meine eh schon wirren Gefühle könnten dann ihren Lauf nehmen und sich zeigen, an die Oberfläche treten und von mir Besitz nehmen, solange bis sich in mir ein Gefühl von Leere einstellt (leer von Trauer, leer von Schmerz…). Solange, bis genügend Tränen mich gereinigt haben. Weil dann, dann stellt sich automatisch ein neues Gleichgewicht ein. Und ohne dass Du viel hättest sagen müssen, wärst Du mir eine sehr grosse Hilfe und Unterstützung gewesen, ein Zeuge meines Elends (vielleicht ein Zeuge des Elends auf dieser Welt).


Von Aussen genau diese Hilfe zu kriegen, ist sehr schwer, denn in unserer Gesellschaft sollen wir fröhlich, glücklich, schön, jung, erfolgreich und zufrieden sein und sicherlich nicht arm, traurig,erfolglos und elend.

Prozessorientiertes Coaching

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Karin Bernet

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