Wissen wir, was unsere Worte bewirken?

    Vor ein paar Tagen bin ich mal wieder auf mich selbst gestossen worden: Weiss ich, was ich sage, wie ich andere damit beeinflusse?


    Während der warmen Tage unterwegs im schattigen Wald begegne ich einem Grossvater mit seinem kleinen Enkel. Der kleine Junge fährt stolz auf seinem schönen Fahrrad hin und her. Heute ist Rücktrittbremsen angesagt. Sein Grossvater unterstützt den Jungen kräftig, führt dessen Beine und sagt „so musst du es machen, so! Nein, nicht so! So! Nein, nein, nicht so!“ Nach einiger Zeit meldet sich der Kleine „Ich will nach Hause“. Der Grosvater kommt ihm entgegen mit „Ja, wir gehen“ und führt den Kleinen an den Schulter berührend. Der Enkel meldet sich erneut: „will selber!“ „Ok.“ Der Enkel bremst nun tatsächlich richtig gut und sogar kräftig. Der Grossvater ruft aus: „Nein, nicht so heftig, nicht so stark!“

    Mir wird es zuviel. Es hat für mich den Anschein, dass, was immer der Enkel macht, so ist es nicht richtig. Ob der Kleine die Anweisung befolgt (und kräftig bremst), ob er das Gewünschte erreicht (er bremst gekonnt mit Rücktritt), was immer er tut, es scheint nicht richtig. Dies zu beobachten, hat mir weh getan. Ich frage mich, was ist der Lerneffekt des Kindes? Rüffel einstecken fürs Befolgen, Rüffel einstecken fürs „gut machen“ (vom Grossvater nicht erkannt), Rüffel einstecken fürs selber probieren wollen? Der Kleine steckt in einem Dilemma. Was immer er macht, es ist falsch, er kann es dem Grossvater nie richtig machen. Dabei meinte der Grossvater es gut mit seinem Enkel!

    Wie bewusst sind wir Erwachsenen überhaupt? Wissen wir, was wir tun und sagen, wenn wir mit Kindern umgehen? Wie habe ich meine Kinder erzogen? Durften sie mit Freude lernen oder mussten sie ebenfalls meinen Ideen und Vorstellungen entsprechend lernen und haben für ihre wirklichen Fortschritte nicht ein Lob sondern eine Kritik erhalten?

    Wie gehen wir mit anderen Menschen um, müssen Sie unseren Vorstellungen entsprechen oder dürfen sie sein, wie es für sie am Besten ist? Verstehen wir Erwachsene, dass wir nicht wissen, wie der Lernvorgang von jemand Anderem ist, dass er vielleicht nicht auf dieselbe Art lernt, nicht mit derselben Geschwindigkeit und vielleicht etwas anderes lernen muss als wir für ihn wollen und gut befinden?

    © 2019 by   Coaching für die Seele

    Karin Bernet

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